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Johann Wolfgang von Goethe: Leben und Werk.
Sonderband der Digitalen Bibliothek

Zu den frühen Prunkstücken der Digitalen Bibliothek gehörte die Ausgabe von Goethes Werken, alsbald ergänzt um die der Briefe, Tagebücher und Gespräche. Jeder, der mit Goethe zu arbeiten hatte, konnte nun dank der Suchmenüs das was er suchte in Sekundenschnelle finden. Kein mühevolles Erinnern mehr, kein langes Blättern vor und zurück. Ein, zwei Kernworte gewusst, und schon war gefunden, was man gesucht hatte – und sämtliche Parallelbegriffe dazu.

Diese beiden CDs gibt es längst nicht mehr. Sie wurden dank der erweiterten Fassungskraft des Mediums abgelöst durch eine einzige, die nicht nur die vier Haupttextkonvolute von ehedem enthält, sondern eine ganze Reihe Nützlichkeiten darüber hinaus.

Die Auswahl aus Goethes Werken wurde von dem Anliegen bestimmt, das literarische Werk des Autors in elektronischer Form zugänglich zu machen und dabei sowohl den Bedürfnissen eines breiten Publikums als auch den spezielleren Interessen von Studierenden und Forschenden gerecht zu werden. Dies bedeutete zum einen die immer wieder gelesenen, diskutierten und analysierten Hauptwerke zu erfassen, zum anderen aber auch, bemerkenswerte Nebenwerke zu berücksichtigen.

Die „Weimarer Ausgabe“ der Briefe, herausgegeben von 1887 bis 1912, litt bis heute unter der Tatsache, dass alle während der zu spät Edition oder überhaupt erst danach neu entdeckten Briefe nicht mehr in der rechten Chronologie standen. Für die vorliegende digitale Ausgabe wurden die verstreuten Nachträge aufgelöst und die später hinzugekommenen Briefe in die Chronologie eingefügt. Die in den Korrekturen angeführten Neudatierungen wurden ebenfalls ausgewertet und die sich aus ihnen ergebenden Umstellungen vorgenommen.

Die dritte Abteilung sowohl der CD-ROM als auch der „Weimarer Ausgabe“ enthält die Tagebücher. Die Aufzeichnungen wurden nach Jahren und Monaten in Bücher und Kapitel eingeteilt, sodass Monat und Jahr einer Tagesangabe auf Anhieb aus dem Inhaltsbaum erschlossen werden können und der Datensatz einer Fundstelle diese Informationen automatisch enthält.

Die vierte Abteilung enthält alle Berichte über Gesprächsäußerungen Goethes, also die viel zitierten Aufzeichnungen Eckermanns, Riemers und des Kanzlers Friedrich von Müller, aber auch vieler anderer. Bei der Nutzung aller Aufzeichnungen dieser Art ist natürlich zu bedenken, dass die Authentizität der Goethe zugeschriebenen Äußerungen in jedem Falle fraglich bleiben muss. Den Berichten liegt die Ausgabe der „Gespräche“ zugrunde, die Woldemar von Biedermann als fünfte Abteilung der „Weimarer Ausgabe“ konzipierte und von 1889 bis 1896 herausgab, ohne dass sie tatsächlich als Teil dieser Edition anerkannt worden wäre. Biedermann versammelte in ihr alle Berichte über Gespräche mit Goethe, die ihm glaubwürdig erschienen, und ordnete sie den jeweiligen Gesprächspartnern zu, unabhängig davon, ob diese den Bericht nun selbst aufsetzten oder ob dies durch Dritte geschah.

Der ersten CD-ROM war noch ein Hörtext der „Leiden des jungen Werther“ beigegeben – mittlerweile überflüssig im Zeitalter der Hörbuchinflation und der Möglichkeit, derlei aus dem Internet herunterladen zu können. Außerdem wurde die bieder-professorale rororo Monographie von Peter Boerner durch die dtv-Biographie von Anja Höfer abgelöst. Der Autorin gelang eine klug veranschaulichende Mischung aus eigenem Text und so genannten „Zusätzen“, das heißt, dem jeweiligen biographischen Abschnitt nachgeordneten Zitaten von Goethe und seinen Zeitgenossen.

Die originellste Beigabe der neuen CD-ROM ist Michael Löschs „Who is Who bei Goethe“, ein Lexikon der Goethe-Gestalten, durch Hyperlinks derart verbunden, dass man gut zu tun hat, sich nicht in einem Rutsch durch das ganze Werk (als Buchausgabe ebenfalls bei dtv erhältlich) zu lesen. Dass Lösch zuerst als Lehrer und später als DJ die Sprache des Volkes und der Zeit versteht, zeigen seine klugen interpretatorischen Randbemerkungen, die wenig mit akademischer Lehre, wohl aber mit dem Bemühen um nützliche Verdeutlichung zu tun haben.

Bibliographie (anfechtbar), Zeittafel (detailliert), und Übersicht einiger Goethe-Porträts (sehr zufällig) runden das Werk ab. Indessen: Wer in Zukunft mit und über Goethe arbeiten will, dem wird hier die denkbar beste Hilfe geboten.


Johann Wolfgang von Goethe. Leben und Werk. Sonderband der Digitalen Bibliothek. Berlin: Directmedia Publishing 2006). Empfohlener Verkaufspreis: 19,90 €. Systemvoraussetzungen: PC ab 486. – Mac ab MacOs10.3